Kundenrezensionen:
Groß - Größer - Berlinbildband September 12, 2008 Gritzka Achtung schwer - das waren die Worte des Paketzustellers. Und er hat nicht übertrieben. Dieses Buch hat die Ausmaße eines Versandhauskataloges, mit der Ausnahme, dass es festen Einband hat. Wer hier eine schön bebilderte Reise durch die verschiedenen Zeiten Berlins sucht, wird auf alle Fälle fündig werden. Die Fotografien haben eine sehr gute Qualtität. Allerdings nerven die Texte zu den Bildern - mal abgesehen davon, dass sie neben deutsch, auch noch in französisch und englisch sind, ist der Zusammenhang mit den Bildern eher verwirrend. Wer sich mit Berlin aber ein wenig auskennt, der wird zum Großteil auch ohne die Bildbeschriftung zurechtkommen und sich einfach der wunderbaren Fotografien erfreuen.
Enttäuschend September 24, 2007 Peter Morath 3 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Vom Taschen-Verlag hätte ich mehr erwartet - vor allem wegen des Untertitels "Portrait". Es fehlt doch einiges, um ein rundes Porträt abzugeben! Man findet fast nichts über die Grünflächen und die Seen, die den Freizeitwert Berlins ausmachen. Es gibt keinen Querschnitt über die Vielzahl kultureller Highlights und die Öff-Kudamm Events. Wo sind die Feste der Stadtteile und der Alliierten? Wo die sportlichen Veranstaltungen? Wo die Fluchtpunkte im alten West-Berlin und wo die sozialistisch-korrekten Freizeitvergnügen im Ossteil? Warum finden die Flughäfen Tegel und Schönefeld nicht statt? Und gab es gar keine Franzosen und Engländer in Berlin? Wo wird die Frechheit der Berliner Schnauze und der Überlebenswillen der Berliner gezeigt, der den immerhin korrekt dargestellten häufigen Wandel erst ermöglicht hat? Auch die Zeit nach dem Fall der Mauer und die aufstrebenden "neuen" Stadtviertel sind dramatisch unterrepräsentiert. Es ist ein Blick durch's Schlüsselloch statt einer Innenperspektive, die ich erwartet hatte... Und dieser Blick zeigt viel mehr das Traurige als es die lebensfrohen Berliner in Ost und West verdient haben - ein bisschen mehr Farbfotos statt der Schwarz-Weiss Tristesse wären auch angemessen gewesen! Viel Geld für viele Kilo Buch, aber wenig Neues.
Vielleicht muss man vor der Bewertung ja die Anforderungen definieren... August 20, 2007 Niclas Grabowski (Berlin) 6 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Für diesen Preis ist dies ein ungewöhnlich großes, stabiles und schweres Buch, was wir hier in beiden Armen halten. Zumindest am Materialeinsatz hat man also auf keinen Fall gespart, das ganze ist auf hochwertigem Paper in hoher Qualität gut gedruckt. Selbst mir schon aus anderen Büchern bekannte Photos sind hier in größerem Format wiedergegeben, und so ist das Buch allein von der Optik schon ein Gewinn. Auch die Auswahl der Photos ist aus meiner Sicht gelungen. Für mich ist das besondere an der Berliner Stadtgeschichte die schnelle Veränderung, der rapide Wechsel von einer Epoche zu anderen, der die ganze Stimmung in der Stadt kippen und auch die Menschen oft völlig anders erscheinen lässt. Welche Gemeinsamkeiten hat den wirklich der Einwohner Ostberlins zu Zeiten von Honecker mit dem Pärchen im Tiergarten zu Kaisers Zeiten? Auf dem Photo zumindest keine. Aber dazwischen liegt noch nicht einmal ein Menschenalter und nur wenige hundert Meter Raum. Es ist schon eine Leistung des Buches, dass aus den jeweils für eine Epoche der Stadt ausgewählten Bildern ein Gefühl für die damalige Stimmung auf den Straßen, für die Auffassung von Schönheit, für das Verständnis von Gesellschaft, für die Folgen ökonomischer Strukturen auf das Leben der Menschen und für die jeweils aktuelle Idee von Freizeit und Unterhaltung entsteht. Ich sehe die Bilder von 1980, als ich selbst in der Stadt aufgewachsen bin, denke "ja, so war es damals, so sah es alles aus" und entdecke dann erst, wie sehr sich doch alles gewandelt hat. Es mag Fehler in den Texten zu den Bildern geben. Ich muss gestehen, dass ich beim Schauen auf die Bilder die Texte weitgehend ignoriert habe. Sie stehen nicht im Zentrum des Buches - wie praktisch niemals bei den Werken im Taschenverlag. Zwei Stadtgeschichten habe ich auch in meinem Bücherregal, und als ich das Buch gekauft habe, war es nicht mein Ziel, eine dritte zu erwerben. Insofern möchte ich den anderen Rezensionen hier vorsichtig widersprechen. Ich finde, es ist ein großartiges Buch, typisch Taschen, man bekommt genau das, was man von diesem Verlag erwartet, nicht mehr und nicht weniger. Und ja, man kann immer etwas besser machen. Aber dann würde dieses Buch wahrscheinlich auch deutlich mehr kosten.
Quantität statt Qualität Juli 26, 2007 Kunstliebhaber 13 aus 14 fanden die folgende Rezension hilfreich
Einmal mehr beweist der Taschen Verlag, dass er schwergewichtige Bildbände zu vergleichweise niedrigen Preisen zu produzieren versteht. Das Bildmaterial ist ? bei aller Kritik an mancher Schwerpunktsetzung ? gut und interessant. Es findet sich hier so manches Foto, dass auch dem Kenner noch unbekannt sein dürfte. Umso ärgerlicher ist die Sorglosigkeit, mit der die Text verfasst sind. Irgendwann habe ich aufgehört, die inhaltlichen Fehler zu vermerken - ein Fass ohne Boden. Warum hat der Verlag diesen an sich guten Band nicht von jemandem betexten lassen, dem wenigstens die Kerndaten der Berliner und der deutsch-deutschen Geschichte vertraut sind? Da wird z.B. das berühmte Foto "Maidemonstration auf dem Alex" von Harald Hauswald zum Dokument der Maueröffnung (die dann noch falsch datiert wird). Dass man es weit besser machen kann, zeigt Jürgen Grothe mit seinem "Berlin gestern und heute". Hätte sich der Taschen Verlag nicht einen ähnlich kompetenten Autor sichern können? Quintessenz: Mehr Quantität als Qualität. Schade um die teilweise wirklich sehr gute Fotoauswahl!
150 Jahre Berlin Juni 2, 2007 Thomas Nehlert (Berlin) 16 aus 18 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dieser schwergewichtige, fast 700 Seiten starke Band bezeichnet sich als die bisher umfangreichste Foto-Studie über Berlin. Das dürfte stimmen. Insgesamt 119 Fotografen von Heinrich Zille bis Helmut Newton dokumentieren in bewegenden Bildern die Geschichte der deutschen Hauptstadt seit 1860. Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel, die chronologisch aneinander anschließen: Preußenhauptstadt und Kaiserzeit, Zwischen den Kriegen, Krieg und Konsequenzen, Teilung und Neubeginn,Hauptstadtträume und Hauptstadtneubau. Abgerundet wird das Werk durch drei essayistische Betrachtungen und die Kurzbiografien der Fotografen. Im Mittelpunkt der von der Magie der Schwarzweiß-Fotografie gekennzeichneten Bilder stehen die Menschen, die Großstadtstimmungen und die Gebäude der Stadt: Kunst und Kultur, Arbeitsleben und Freizeit, Stadtentwicklung und Architektur. Die Politik wird nicht ausgelassen und findet - gerade was das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte betrifft - eine angemessene Würdigung. Es ist verblüffend, was für großartige Fotos es auch vom alten Berlin gibt - bis hin zu Luftaufnahmen, die nicht weniger faszinieren als die Bilder vom pulsierenden Leben der wieder erstarkten und blühenden Metropole des 21. Jahrhunderts. Wer Berlin liebt, kommt an diesem Buch nicht vorbei; wer Berlin nicht so mag, sollte sich ruhig einmal von den großartigen Fotos dieser Stadt in den Bann ziehen lassen.
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